Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 9 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

Spielbetrieb Jugend 18/19

Spielbetrieb Frauen 18/19

Landauer Favoritensieg beim 33. Landratspokal in Fischbach

Wer als Schachspielerin oder Schachspieler „Traditionsturnier“ hört, denkt an den Pfälzischen Schachkongress, an Wijk an Zee und – sofern sie/er sich noch erinnern kann – an Linares. Doch Traditionen gibt es auch im Miniaturformat und so wurde der Landratspokal in Fischbach bei Kaiserslautern (aus Landauer Perspektive: hinter den sieben Bergen) in diesem Jahr bereits zum 33. Mal von Jürgen Kühle organisiert, wobei nicht zuletzt die per Plakat angepriesenen Lachsbrötchen die Berliner Wurzeln des umtriebigen PSB-Ehrenzeichenträgers verraten. Von einer spannenden Taktikschlacht in Runde 2 und einem umkämpften Endspiel in Runde 4 war bereits die Rede. Hier nun der Gesamtbericht!

Der Fischbacher Landratspokal ist nicht nur winzig (maximal 20 Teilnehmer), sondern auch radikal lokal: Das Ankündigungsplakat schmückte zwar die Titelseite des Amtsblattes von Enkenbach-Alsenborn (dem „Tor zum Pfälzerwald“), doch in Turnierkalendern sucht man das U-Boot unter den Schachturnieren vergebens. Ein Traditionsturnier für Eingeweihte!

Tradition ist auch, dass der in stets freundschaftlicher Atmosphäre ausgetragene Landratspokal an fünf Freitagabenden nach Ostern stattfindet (Bedenkzeit: 2h/40 Züge + 30min/Rest, kein Increment). Durch die ferienbedingte Verlegung des Schachkongresses (bisher: Woche vor Ostern, nun: Woche nach Ostern) ergab sich folglich in diesem Jahr eine Überschneidung der Startrunde des Landratspokals (26. April) mit den Meisterturnieren des Kongresses. Eine Verschiebung um eine Woche nach hinten schloss man in Fischbach mit der Begründung aus, dass dann die Schlussrunde auf das Himmelfahrtswochenende gefallen wäre.

Im nächsten Jahr wird man aber hoffentlich darüber nachdenken, die Finalrunde mit einer spannungssteigernden Pause auf den Freitag nach Himmelfahrt zu legen – es wäre einfach zu schade, ausgerechnet jene jungen und starken Teilnehmer (z.B. Oleg Yakovenko, Matthias Huschens, Philipp Rölle), die in den letzten beiden Jahren das Niveau des Landratspokals deutlich gehoben hatten, durch eine leicht vermeidbare Terminkollision dauerhaft zu verlieren.

Glücklicher Nutznießer der diesjährigen Terminkonflikte war jedenfalls ein Landauer. In Abwesenheit aller Mitfavoriten der letzten Jahre führte Dr. Wolfgang Grünstäudl (2123) vor Harald Lares (SC Pirmasens, 1956) und Ralf Henkel (SK 1905 Zweibrücken, 1907) bei insgesamt 14 Teilnehmern die Startrangliste des 33. Landratspokals an. Das Turnier begann für Wolfgang gegen Otto Jung (SK Enkenbach, 1556) auch sogleich verheißungsvoll (Weiß am Zug):

Angesichts der Dame-Läufer-Batterie gegen den Punkt g7 und einem Ld5, der den schützenden Aufzug des f-Bauern verhindert, hält nur noch der Sf5 den Schwarzen in der Partie. Also: 24.g4! Lb4 (24…hxg3 25.Txg3! Sxg3+ 26.Dxg3 ist ebenfalls hoffnungslos) 25.Dd3. Nun ist die weiße Dame zwar von g7 abgelenkt, schielt aber bereits gierig nach h7. Mit 25…Sg3+ wollte Schwarz einen zweiten Bauern geben, um den weißen Springer los zu werden, doch…

26.Txg3! hxg3 27.Sg5 (27.Dd4 ist die Alternative) g6 (selbst 27…g2+ 28.Kxg2 Lf5 29.Dxf5 De2+ 30.Kh1 hilft nicht – und: „Gentlemen allow checkmate!“ [Jan Gustafsson zu Svidler-Carlsen]) 28.Dxg6# 1-0.

Noch kürzer fiel die Zweitrundenbegegnung ggen Klaus Kuschmann (SK Enkenbach, 1738) aus, in der wieder einmal LPDO („Loose pieces drop off!“) das Thema war (Weiß am Zug):

Schwarz steht hier schon sehr angenehm, doch mit 21.Sh2?? wurde ihm die Arbeit wesentlich erleichtert – 21…Dc6 und 0-1. Dennoch ärgerte sich Wolfgang bei der heimischen Analyse über seine Rechenschwäche, denn einige Züge zuvor hatte er eine spektakuläre Möglichkeit ausgelassen (Schwarz am Zug):

Nach zuletzt 16.00 schreit die Stellung förmlich nach dem Einschlag auf h3 (der am Nebenbrett umgesetzt wurde), doch Wolfgang bekam in der Variante 16…Lxh3 17.gxh3 Dxh3 18.Te1 (mit der Verteidigungsidee 19.Lf1) trotz 30-minütigen Nachdenkens keines der Motive 18…Sh4, 18…g4 und 18…Txe3 richtig zum Laufen. Dabei ist die Lösung so einfach – man muss nur alle drei Motive kombinieren: 16…Lxh3! 17.gxh3? („objektiv“ müsste Weiß hier kaltblütig auf das Wiedernehmen verzichten, doch nach z.B. 17.Te1 Lf5 steht Schwarz einfach mit einem Mehrbauern und deutlich besserer Stellung da) Dxh3 18.Te1 Txe3! 19.fxe3 Sh4 20.Lf1 Dg3+ 21.Kh1 Sxf3 22.Sxf3 g4 und Schwarz gewinnt. Dass die Silikonfreunde den Partiezug 16…Se6 mit 16…Lxh3 mindestens auf eine Stufe stellen, war für den Südpfälzer da nur ein schwacher Trost.

Da neben Wolfgang nur Harald Lares beide Partien in Runde 1 und 2 gewinnen konnte, kam es in der dritten Runde zum Aufeinandertreffen der Topgesetzten. Der Pirmasenser entschied sich mit Schwarz für die Tartakower-Variante der Caro-Kann-Verteidigung, die aufgrund der entwerteten schwarzen Bauernstruktur nicht den besten Ruf genießt, im letzten Jahr aber selbst von Magnus Carlsen verwendet wurde (Schwarz am Zug):

Hier muss der Nachziehende bereits eine erste wichtige Entscheidung treffen: Wie soll der Bauer auf h7 gedeckt werden? 9…h6 ist eine Möglichkeit, 9…Kh8 (mit der List 10.Lxh7? g6) eine andere. Schachfreund Lares entschied sich für 9…g6?, was zwar einst Savielly Tartakower selbst versuchte, Weiß aber geradezu zur Attacke mit 10.h4 einlädt (Datenbank-Statistik: 13 Partien von Spielern mit je über 2200 Elo, davon zehn weiße Siege und drei Remisen). Schon wenig später nahm der weiße Angriff Gestalt an (Weiß am Zug):

Mit 13.g4! betrieb Weiß konsequent die Sprengung der schwarzen Königsstellung. Der Nachziehende antwortete fast à tempo 13…Ld5, worauf ebenso rasch 14.000! folgte. Das hübsche Motiv ist aus der Partie Kudrin – King (London 1988) bekannt, in der sich der beliebte Schacherklärer in fast identer Stellung (schwarze Dame noch auf d8, Turm auf e8, Springer bereits auf d7) auf der falschen Seite des Brettes wiederfand. In Fischbach versuchte Schwarz nach 4…Lxh1 15.Txh1 noch das Qualitätsrückopfer 15…Txe2N, strich aber nach 16.Dxe2 Lf4+ 17.Lxf4 Dxf4+ 18.Kb1 Sd7 19.hxg6 hxg6 20.gxf5 zurecht (z.B. 20…Sf6 21.fxg6 Te8 22.gxf7+ Kxf7 23.Dc2 oder 20…gxf5 21.Dh5) die Segel (Schwarz am Zug):

Somit konnte Wolfgang als alleiniger Führender (3 aus 3) in das Duell mit Ralf Henkel (2,5 aus 3 nach einem Remis in Runde 1) gehen, in welchem der Landauer im Hinblick auf die jüngste Begegnung in der 1. Pfalzliga einen langen Kampf zu erwarten hatte. Etwas überraschend wurde es jedoch eine weitere Kurzpartie, als Wolfgang mit 24…Se6 die Punkteteilung anbot und Schachfreund Henkel die Offerte annahm:

Was war geschehen? In der Hoffnung, seinen Gegner in eine Falle zu locken, hatte sich der Südpfälzer für eine Eröffnungsvariante entschieden, die er noch nie zuvor auf dem Brett hatte. Der Bluff gelang nicht; vielmehr verbrauchte der DWZ-Favorit beim Durchdringen der ungewohnten Stellung und zur Abwehr von realen und vermeintlichen Gefahren Unmengen an Zeit. Zeit, die fehlte, als nach einem etwas unglücklichen Springermanöver des Anziehenden die Position in Richtung schwarzer Vorteil kippte. Mit nur noch acht Minuten Restbedenkzeit entschloss sich Wolfgang gegen weiteres Zeitnotrisiko und für die Notbremse per Remisangebot.

Damit waren zugleich die Duelle mit Nr. 4 (Kuschmann), Nr. 2 (Lares) und Nr. 3 (Henkel) der Startrangliste abgehakt. In der Schlussrunde wartete Torsten Friedrichs (SK Enkenbach, 1624), der sich nach einer Erstrundenniederlage gegen Harald Lares mit drei Siegen in die Verfolgergruppe vorgearbeitet hatte.

Nach einer Eröffnungsungenauigkeit des Enkenbachers konnte Wolfgang mit druckvollem Spiel einigen Vorteil erlangen, agierte dann aber an entscheidender Stelle zu oberflächlich (Weiß am Zug):

Angesichts des in der Mitte verbliebenen schwarzen Königs wäre die Stellungsöffnung 20.d5 Lb5 21.c4! Dc5+ 22.Tf2 Dxc4 23.Db2 die richtige Wahl gewesen. Der Landauer unterschätzte aber die Bedeutung des Stützpunktes auf e6 und spielte das vermeintlich sichere 20.Dg2? in der Absicht, das Endspiel nach 20…Kd8 21.Lxc6 Dxc6 22.Dxc6 bxc6 23.Tae1 bis zum Morgengrauen zu kneten. Schwarz antwortete aber mit dem Gegenfehler 20…Sb8? und sah sich nach 21.Sd3 (als Reaktion auf die Dezentralisation des schwarzen Springers drängt sein weißer Kollege ins Zentrum) Kd8 22.Se5 bereits zum Qualitätsopfer 22…Txe5 gezwungen, wonach die Partie nicht mehr allzu lange währte.

Mit 4,5 Punkten aus 5 Partien konnte Wolfgang somit den Landratspokal 2019 nach Landau holen. Zweiter wurde Harald Lares (4/5), dem in der Schlussrunde ein sehenswerter Sieg gegen Ralf Henkel gelang, alleiniger Dritter etwas überraschend Peter Schäfer vom Ausrichter SV Fischbach (1603), der ungeschlagen 3,5/5 erreichte. Bei der Siegerehrung war man sich einig: Wir freuen uns bereits auf einen (stark besetzten) Landratspokal 2020!

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