Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 10 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

Nervenzerfetzende Schlachten lieferte sich Drama-Queen Landau III in dieser Saison bereits genügend, nun war es einmal Zeit für einen klaren Sieg, um den Klassenerhalt in der 1.Pfalzliga zu sichern. Leidtragende waren die Schachfreunde aus Zweibrücken, die am 03. Februar nur zu siebt an die Queich gereist waren. Das Tabellenschlusslicht trat zudem mit einem stark ersatzgeschwächten Team an, das mit einem DWZ-Schnitt von gerade einmal 1686 Punkten (LD III: ø 1934) selbst in der 2.Pfalzliga West abstiegsgefährdet wäre. Leidtragender ist aber auch der Berichterstatter, denn berichtenswerte Dramatik wollte bei dem verlustpunktfreien 7:1-Sieg, der – auch in dieser Höhe! – schon nach der Eröffnungsphase absehbar war, zu keinem Zeitpunkt aufkommen. Und so perfektionistisch wie jener Fußballtrainer, der die Leistung seiner Kreisliga-Mannschaft nach einem 36:0 Erfolg noch tadelte, möchte man ja auch nicht wirken. Vielleicht lässt sich aber bei einem zweiten Blick doch noch das eine oder andere interessante und lehrreiche Detail entdecken? Mal sehen…

Den Landauern war jedenfalls die Wichtigkeit dieser höchstwahrscheinlich über den Klassenerhalt entscheidenden Begegnung bewusst: Nur einmal, beim Auftaktsieg gegen Ramstein-Miesenbach, waren sie in dieser Saison in noch etwas stärkerer Besetzung (ø 1940) angetreten. Da selbst die Bibel Frischvermählten den Kriegsdienst untersagt (vgl. Buch Deuteronomium, Kapitel 24, Vers 5), musste die Dritte jedoch zum ersten Mal ohne ihren Mannschaftsführer auskommen. In seinem Amt wurde Tobias Nicklis von Rainer Hornberger-Wissing souverän vertreten (Vielen Dank!), an Brett 2 sprang Tobias Rheinwalt, der angesichts des Ernsts der Lage eigens seine Schachpause unterbrach (ebenfalls: Vielen Dank!), als Edeljoker in die Bresche.

Es begann stürmisch. Während Dr. Peter Fischer (1868) die 30-minütige Karenzzeit abwartete, nach der ihm zum kampflosen Sieg an Brett 5 gratuliert werden konnte (1:0), beging der Zweibrücker Jakob Frühsorger (1440) an Brett 8 gegen Meinrad Rapp (1745) schon einmal positionelles Harakiri: Zuerst wurde eine Bauernkette auf den weißen Feldern errichtet (b5-c4-d5-e6-f7), dann ohne Not der schwarzfeldrige (!!) Läufer zum Abtausch angeboten. Kinder, bitte nicht nachmachen, sonst schimpft der Trainer!

Im Ergebnis blickte Meinrad nach zehn Zügen auf eine strategisch gewonnene Stellung, während sein Gegner ein beachtliches Repertoire an Kampflauten (Ächzen, Stöhnen, Schnauben, Gurren, etc.) abzurufen wusste. Vielleicht durch diese Geräuschkulisse etwas eingelullt, spielte der Landauer in der Folge allzu sorglos (bzw. auf den Königsflügel fixiert) und ließ die Gelegenheit zum entscheidenden Knacken des schwarzen Damenflügels mehrfach verstreichen (Weiß am Zug):

Hier bestand die letzte Möglichkeit, Schwarz mit 25.a4! a6 26.axb5 axb5 27.Txa8+ Lxa8 28.Lh5! vor ernsthafte Probleme zu stellen. Da nach 28…Lc6 29.Tg6! Txg6 30.Dd8+ Dg8 31.Dxg8+ Kxg8 32.Lxg6 Ld7 33.d5! Kf8 34.d6 problematisch ist, muss Schwarz wohl mit 28…Ld5 29.Le8 einen Bauern geben und hoffen. Meinrad spielte aber 25.Tg2, wonach Schwarz mit 25…Taf8 26.Tag1 g6 beide Turmpaare auf dem Brett behalten konnte, was meist den Verteidiger begünstigt. Schließlich musste der Landauer akzeptieren, dass Schwarz eine brettumspannende Blockade errichten konnte, die nicht mehr unter vertretbaren Risiken zu attackieren war. Remis nach 27 Zügen: 1,5:0,5.

 Wenig später konnte dann Uwe Hünerfauth (2016) an Brett 4 gegen Dariusz Golunski (1622) den ersten herausgespielten Sieg vermelden. Eine klare Sache, wie sich alle Beteiligten und Kiebitze sicher waren (Weiß am Zug):

An dieser Stelle kann man auf den ersten Blick schnell Mitleid mit Weiß entwickeln: Der Turm auf h6 wirkt seltsam versprengt, auch ansonsten mangelt es an Koordination (etwa zwischen Dame auf e1 und Turm auf b1), der Läufer auf c1 wirkt perspektivlos und die schwarzen Bauern auf c5 und g5 schicken sich bereits an, das noch stabile weiße Zentrum zu zerschlagen. Dazu die sich bald öffnende g-Linie… Schachfreund Golunski bot hier mit 17.Lc4 ein Remis an, was Uwe mit 17…Sa5 siegessicher ablehnte. Es folgte 17.De2 gxf4 18.dxc5 Dc6 19.exf4 Dxc5+ mit Verlust des weißfeldrigen Läufers und raschem Ende der Partie: 2,5:0,5.

Füttert man allerdings die Schachprogramme mit obiger Diagrammstellung, sind sie überraschend von deutlichem weißen Vorteil überzeugt! Der Grund: Nach 17.fxg5 Lxg5 18.Txe6 ist nicht nur ein Bauer futsch, sondern der eben noch abseitige Turm entwickelt mitten in der schwarzen Stellung erstaunliche Kräfte, z.B. führt 18…h6 (18…cxd4 19.exd4; 18…f4 19.Txe4) 19.b4 cxd4 20.cxd4 Tf6 21.Txf6 Lxf6 22.b5 Se7 23.Ld2 De6 24.Lc4 Dd7 25.Tc1 Kb8 26.Df2 zu einer klaren weißen Gewinnstellung und auch der witzige Versuch 18…Kd7 hilft nach 19.d5 Da5 (19…Dc7 20.Lb5) 20.Lc4 Se7 21.Dg3 Lf6 22.d6 nicht. War somit 17.Lc4? ein Fehler, so gilt dies auch für den vermeintlichen Siegeszug 17…Sa5? (17…gxf4 mit schwarzer Initiative wäre besser gewesen – doch wer gibt gerne einen Bauern mit Schach?), da Weiß danach noch mit 18.dxc5! Vorteil erlangen konnte, wenngleich die Stellung nach etwa 18…Dc6 (18…Dxc5 19.b4 Db5 20.a4 Dd3 21.La3) 19.Lf1 Dxc5 20.b4 Lxc3 21.bxc5 Lxe1 22.fxg5 wüst aussieht. Ein zweiter Blick lohnt also, denn Schach ist konkret!

Ganz ohne taktische Turbulenzen verlief die Partie von Rainer Hornberger-Wissing (1988) gegen seinen Namensvetter Reiner Galjan (1646) an Brett 4. Der Zweibrücker stellte bereits im sechsten (!) Zug einen Zentralbauern ein, wonach Rainer eine Modellpartie ablieferte, die er sicherlich demnächst im Jugendtraining verwenden kann. Gnadenlos wurde alles abgeholzt bis schließlich ein gewonnenes Bauernendspiel auf dem Brett stand (Weiß am Zug):

Wer sich nicht sicher ist, dass er diese Stellung mit Weiß gewinnt, schnappt sich eine/n Sparringspartner/in und probiert es einfach! Kleiner Tipp: Rainer begann mit 21.Kf2 und elf Züge später stand es 3,5:0,5.

Bei Daniel Kuhn (1828) an Brett 7 sah es zuerst wieder einmal nach einem heißen Theorieduell in einer scharfen Variante aus, doch dort wo Daniels Theoriekenntnisse erst begannen, endeten die von Sebastian Knerr (1716) bereits. In der Folge investierte Weiß mit dem Mut der Verzweiflung noch eine Figur (12.Sxf7), Kompensation gab es dafür nicht. Blieb nur zu hoffen, dass Daniel bei der steten Suche nach dem ästhetischsten von allen möglichen Gewinnzügen nicht noch Zeit und Welt vergäße, doch der „Schirow aus Impflingen“ war an diesem Tag auf der Höhe (Schwarz am Zug):

Wie soll Schwarz hier das Schachgebot parieren? Nach 15…Ke8 (15…Kf8 verläuft analog) 16.Lc7 La6 17.Lxd8 Lxc4 18.Lxb6 Sxb6 (18…Lxf1 19.Lxa7) 19.Te1 ist der schwarze Vorteil überschaubar, doch die starke Selbstfesselung 15…Te6! macht den Sack zu. Der Zweibrücker versäumte nach 16.Sd2 La6 17.Dxd4 Lxf1 18.Sxf1 Lc5 den richtigen Zeitpunkt zur Aufgabe, konnte aber sein Schicksal nicht mehr abwenden: 4,5:0,5.

Der Mannschaftssieg wurde von allen mit Freude und Erleichterung aufgenommen, besonders aber von Tobias Rheinwalt (2062), der an Brett 2 kurz zuvor noch mannschaftsdienlich ein Remisangebot von Prof. Dr. Ludwig Peetz (1895) abgelehnt hatte (Weiß am Zug):

Weiß steht leicht schlechter, doch angesichts des noch nicht entschiedenen Mannschaftskampfes spielte Tobi hier mit 23.Dh4 Lf6 (23…b5! 24.Th3 h5 25.axb5 axb5 26.Lxd5 Dxd5 27.g4 Tfe8 28.gxh5 Te4 29.Dg3 De6 und der weiße Angriff dringt nicht durch) 24.Lg5 weiter, wodurch 24…Lxg5 25.Dxg5 Tab8 (besser 25…Tfe8! [„Türme müssen auf offene Linien!“] 26.Dh6 Te7 27.Th3 [27.Lxd5 Dxd5 28.Th3 {28.Txb6? Dxd4!} f5] Sf6) 26.Th3 Df4 27.Dxf4 Sxf4 28.Tf3 b5 29.axb5 axb5 zu einer ausgeglichenen Stellung führte, in der nach Daniels Sieg schließlich ein Remis vereinbart wurde: 5:1.

Tobis Spiel war die lange Pause durchaus anzumerken, denn während er normalerweise schon in den ersten beiden Zügen drei Bauern für Initiative opfert, entschloss er sich diesmal tatsächlich, mittels 5.Dd3? seinen Bauern auf e4 zu decken. Dieses Eröffnungsexperiment hätte auch böse ins Auge gehen können (Schwarz am Zug):

Schwarz hat sich lehrbuchmäßig entwickelt und kann gegen den instabilen weißen Aufbau hier mit dem entschlossenen 8…d5! bereits das Kommando übernehmen. Weder 9.exd5 e4 10.Df1 Sa5 noch 9.dxe5 dxc4 10.De2 (nach 10.Dxd8 Taxd8 bleibt aufgrund der schwachen Grundreihe keine Zeit zum Nehmen auf f6) Sd7 machen Freude. Besonders hübsch ist aber 9.Lxd5 Sxd5 10.exd5 Dxd5 11.dxe5 Dxd3 12.Txd3 Lxf3 13.Txf3? (13.gxf3 ist besser, aber nach 13...Sxe5 14.Te3 Sg6 auch schlecht für Weiß) Tad8! und Weiß geht wieder an seiner Grundreihe zugrunde, z.B. 14.g3 Td1+ 15.Kg2 Txc1 oder 14.Sd2/14.Ld2 Lg5! und aus.

Ähnlich wie bei Rainer und Daniel war auch bei Matthias Schubert (1839) an Brett 6 direkt nach der Eröffnung klar, dass Jonas Höh (1637), der im Vorjahr sensationell FM Yannick Leuranguer bezwungen hatte, diesmal keine Überraschung gelingen würde. Nach einem für Weiß klar vorteilhaften Eröffnungsverlauf versuchte Schachfreund Höh nach einem Figurenopfer noch mit Läuferpaar und einer potentiell dynamischen Bauernmasse am Damenflügel im Trüben zu fischen. Doch Topscorer Matthias (neben Meinrad einziger Stammspieler ohne Niederlage, 3 Siege, 2 Remis, plus 31 DWZ-Punkte) spielte die Sache sicher nach Hause (Weiß am Zug):

Hier führen bereits viele Wege nach Rom. Naheliegend ist es z.B., den Springer nach e2 zu stellen und dann mit dem König nach d6 zu laufen, da Schwarz das aufgrund der weißen Reservetempi (h4, Sc3-b5) nicht verhindern kann. Matthias rechnete aber präzise und entkorkte 51.Sxc4!, wonach Schwarz sofort (und zurecht) aufgab.

Das Duracell-Häschen im Südpfälzer Team gab wieder einmal Dr. Wolfgang Grünstäudl (2118) an Brett 1. Bei der Vorbereitung hatte er festgestellt, dass Morra-Gambit-Spezialist Ralf Henkel (1927) zwar ein gefürchteter Angriffsspieler ist, wovon nach dem Landratspokal 2017 auch starke Spieler wie Oleg Yakovenko und CM Markus Müller ein Lied singen können, aber im Endspiel doch über gewisse Schwächen verfügt. Der logische Schlachtplan: In der Eröffnung die Stellung austrocknen, dann den Gegner stundenlang beschäftigen und in der letzten Partiephase aufmerksam Fehler ausnutzen. Bei Ralf Henkels Teamkameraden, die eine gefühlte Ewigkeit auf die Heimfahrt warten mussten (einer legte sich derweil gar in der nicht sehr gemütlichen Mensa schlafen!), machte sich Wolfgang mit dieser Strategie vermutlich nicht besonders beliebt, doch der Erfolg gab ihm recht (Schwarz am Zug):

Der schwarze Mehrbauer fällt aufgrund der schlechten Struktur des Nachziehenden nicht so sehr ins Gewicht, doch aufgrund seiner aktiven Figuren kann Schwarz weiterhin Probleme stellen: 55…Sf4 56.Tc2 Td3 (mit der Drogung 57…e4) 57.Tc4 Td2 (unterstreicht mit einer Mattdrohung die schlechte Stellung des weißen Königs) 58.Lf2 Kf6 59.Te4 (Schwarz am Zug):

Bei 59…Se2+ war Wolfgang klar, dass er nach dem korrekten 60.Kh3! Sc3 61.Tc4 zwar noch ein wenig herumkurbeln, aber kaum echte Fortschritte erzielen könnte. Doch mit dem naheliegenden 61.Kg2? (der König will den Läufer gedeckt halten, gerät dabei aber in eine tödliche Fesselung) beging Weiß jenen Fehler, auf den der Landauer fast sechs Stunden lang geduldig gewartet hatte. Der schwarze Springer durfte die Partie mit einem kleinen Tänzchen (61…Sc3 62.Te1 Sd1 63.Tf1 Se3+ 64.Kg1 Sxf1) entscheiden und zehn Züge später gab Weiß auf: 7:1.

Ein erfreuliches Ergebnis, nachdem der Abstieg zwar rein theoretisch immer noch möglich, aber höchst unwahrscheinlich ist und das für die beiden schweren letzten Runden gegen Bann und Niedermohr-Hütschenhausen einige Motivation bieten sollte. Wenn diese beiden Mannschaftskämpfe wieder eng umkämpft sein sollten, wäre es der Dritten jedenfalls sicherlich recht!

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