Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 10 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

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Landauer Sieg beim Dähnepokal im Bezirk IV

In wenigen Wochen blickt die ganze Schachwelt nach Karlsruhe, wo neben den Grenke Chess Classics mit Carlsen, Caruana und Keymer auch das größte Open Europas stattfinden wird. Stolz vermelden die Organisatoren, die Grenze von 1000 Anmeldungen sei bereits überschritten und ein neuer Teilnehmerrekord zu erwarten. Eine großartige Veranstaltung, die trotz Terminkollision mit dem Schachkongress so manchen Südpfälzer Kiebitz in die Fächerstadt locken wird. Doch was wäre der Schachbetrieb ohne die kleinen, lokalen Events, die zwar ohne GM-Präsenz und professionelle Organisationsstrukturen (samt Youtube-Video) auskommen müssen, dafür aber mit dem Charme des Vertrauten punkten?

Zu diesen Mini-Veranstaltungen zählt der Dähnepokal, der jährlich im PSB-Bezirk IV (dazu gehört auch Landau) ausgetragen wird. Die Siegerin oder der Sieger darf bei der Pfälzischen Pokalmeisterschaft teilnehmen und bei entsprechendem Erfolg auch auf Rheinland-Pfalz- bzw. Bundesebene mitmischen. Theoretisch bietet sich damit jeder und jedem die Möglichkeit, um einen nationalen Titel mitzuspielen. Im Vorjahr konnte Dr. Wolfgang Grünstäudl (2118) bei seiner dritten Teilnahme zum ersten Mal den Bezirkspokal erringen (auf Pfalzebene war dann schon nach der ersten Runde Schluss) und nun galt es, diesen Titel zu verteidigen. Das gelang auf abenteuerliche Weise!

Immerhin 17 Teilnehmer (im Vorjahr: 12) versammelten sich am 11. Januar im Klubraum des gastfreundlichen SC Westheim, um im KO-System an insgesamt vier Freitagabenden den Bezirkspokal auszukämpfen. Aus Landau war neben Wolfgang auch wieder Daniel Kuhn (1828) am Start. Ohne Auslosungsprogramm, aber mit einer Tüte voll gelber Überraschungseikapseln (Wer musste für das Schach so viel Süßes vernichten?) wurden die Paarungen ermittelt, wobei Bezirksspielleiter Klaus-Peter Thronicke wie immer umsichtig versuchte, allen Anwesenden die Möglichkeit zu geben, auch tatsächlich zu spielen. 17 ist dafür nun aber eine denkbar undankbare Anzahl und so durfte Freilosbesitzer Thorsten Kunz (SG Speyer-Schwegenheim 2012, 1771) nach der ausführlichen Auslosungszeremonie gleich wieder nach Hause fahren. Alle andere wussten zwar nicht so genau, ob sie schon das Achtel- oder noch das Sechzehntelfinale spielten, aber egal, es ging mit Eifer an die Bretter!

Die berühmten eigenen Gesetze des Pokals entfalteten dann am Brett von Wolfgang, der mit Weiß gegen Dietmar Füger (SC Westheim, 1398) antreten musste, sofort ihre volle Wirkung (Weiß am Zug):

Schwarz hat die Eröffnung extrem passiv behandelt und hier soeben mit 15…b5? noch seinen Damenflügel geschwächt, während der voll entwickelte und zentralisierte Weiße schon über den Schlussangriff nachdenken darf. So weit, so gut. In Wolfgangs Kopf lief ungefähr folgender Gedankengang ab: „16.De4 sieht normal aus, dann folgt auf 16…g6 (erzwungen) 17.Df4 mit Schwenk zum Königsflügel (h6). Ah, dann geht 17…f5 und Weiß kann nicht nehmen, ohne Damentausch zuzulassen. Also 17.De3… Mmh, sieht gut aus, gibt es noch Alternativen? Man könnte auch mit 16.Dd3 oder 16.Dc2 beginnen. 16.Dc2 bringt die Damen in Opposition und nach 16…g6 kann man den Bauern auf b5 schlagen, da die schwarze Dame ungedeckt ist. Prima!“ Bemerkt? Nun, der Landauer spielte tatsächlich zügig 16.Dc2 g6 17.Sxb5??, um beim Loslassen des Springers dann doch noch entsetzt das Malheur zu entdecken: Da steht ein Ross auf e8! Schachfreund Füger blickte etwas verdutzt, nahm aber das Geschenk mit 17…cxb5 dankbar an. Doch Caissas Scherz war damit noch nicht zu Ende: 18.Dd3 Dc4 19.De3 („Ok, weiter nach Plan, leider mit Minusfigur und ohne Figurenkoordination.“) Sg7 20.Sd2 Dc8 21.Dh6 Sb6 22.Te3!? Txd4 23.Th3 (Schwarz am Zug):

23…Sh5?? (mit 23…f5! behält Schwarz immer noch deutlichen Vorteil, da 24.Dxh7+ Kf7 25.Th6 Tg4 nur zu schwarzem Angriff führt) 24.Txh5 aufgegeben. Huch, noch einmal davon gekommen!

Noch schlimmer erwischte es Daniel, der gegen den Setzlistenzweiten Lorenz Busch (SC Herxheim, 2045) ein schwieriges Endspiel zu verteidigen hatte (Türme plus ungleichfarbige Läufer) und dabei sukzessive überspielt wurde.

Zum Viertelfinale, das am zweiten Spieltag ausgetragen wurde – nach Thorstens Rückzug aus privaten Gründen war der Turnierbaum bereinigt und keine Zwischenrunde nötig  –, sorgten dann die Schachuhren (!) für einige Aufregung. Mit den irrtümlicherweise aufgestellten „falschen“ Uhren (für Insider: die ohne blauen Balken), ließ sich der festgelegte Bedenkzeitmodus (90 min/40 Züge + 30 min/Rest + 30 sek/Zug) nicht per Kurzwahl korrekt einstellen. Wer es bemerkte, reichte seine Uhr an Jan Wilk (SC Bellheim, 1763) weiter, der die richtige Einstellung per Hand vornahm (Danke für den Service!). Just am Brett der Begegnung Klaus-Peter Thronicke (SC Hagenbach, 1841) gegen Joachim Reese (SG Speyer Schwegenheim 2012, 1492) kam es zu keiner Korrektur, sodass die Uhr nach dem vierzigsten Zug den beiden nur je 15 statt 30 Bonusminuten zuschlug. Als die umstehenden Kiebitze noch überlegten, ob und wie sie eingreifen sollten, löste Schachfreund Reese das Problem, in dem er in einem ausgeglichenen Endspiel einen ganzen Turm einstellte.

Wolfgang gelang derweil gegen Jörg Wilk (SC Rülzheim, 1785) die notwendige Leistungssteigerung und trotz suboptimaler Eröffnungsbehandlung ein schöner Schwarzsieg. Somit war alles für den Halbfinal-Kracher gegen Lorenz Busch angerichtet.

Schade nur, dass Lorenz und Wolfgang auch die einzigen beiden Spieler im gesamten Bewerb waren, die eine DWZ von mehr als 1900 aufwiesen. Woran liegt das? Am fehlenden Preisgeld (im Bezirk II/III immerhin € 140,- für die ersten Drei)? Wohl eher nicht, denn dann sähe es bei der Bezirkseinzelmeisterschaft, wo die gesamten Startgelder ausgeschüttet werden, gänzlich anders aus. Vielleicht probiert es der gastgebende Verein im nächsten Jahr ja einmal mit dem Modell des bundesweiten Pokalfinales? Das hieße: Zu den Spielterminen des Pokals findet zeitgleich ein kleines 5-rundiges Open nach Schweizer System statt (organisiert vom jeweiligen Verein, um nicht einfach den Bezirksspielleiter noch weiter zu belasten). Wer aus dem Pokalturnier ausscheidet, kann im offenen Turnier (evtl. zugleich die örtliche Vereinsmeisterschaft) weiter spielen und nimmt dabei seine bis dahin erworbenen Punkte mit. Neben möglichen Synergieeffekten für die Gastgeber, die ohnehin fünf Abende vorbereiten müssen, gäbe es dann auch die Möglichkeit, stabile Fahrgemeinschaften zu bilden (Jugend!). Zudem muss sich niemand vier bis fünf Abende für das Schach freihalten, nur um dann eventuell bereits nach der ersten Runde auszuscheiden.

Zurück zum Halbfinale. Lorenz ist nicht nur Hirn, Herz und Seele des SC Herxheim, sondern auch ein zäher Kämpfer, der vor allem, wie ja Daniel schmerzhaft erleben musste, für seine Endspielkünste gefürchtet ist. Allerdings sind Lorenz’ Blitzschach-Fähigkeiten im Vergleich zu seiner sonstigen Spielstärke eher überschaubar, was ihm im Dähnepokal, wo es im Falle eines Remis zu einem Blitzentscheid kommt, schon mehrmals gegen schwächere Gegner zum Verhängnis wurde. Somit ging Wolfgang mit einer mittlerweile aus den Weltmeisterschaften wohl bekannten Strategie an den Start: Nur kein Risiko eingehen, das Tiebreak wird es schon richten! Auch wenn der Landauer im Laufe der Partie sich zuerst etwas Vorteil erarbeitete und diesen dann wieder vergab, schien zur Zeitkontrolle das Ziel zum Greifen nah (Schwarz am Zug):

0.00 – mehr kann man zu dieser Stellung eigentlich nicht sagen. Statt mit einem beliebigen Läuferzug das Remis unterschriftsreif zu machen, stellte Lorenz jedoch mit 42…Kc7 eine provokante Frage: Bauernendspiel, ja oder nein? Die schwarze Idee ist klar: Während sich der weiße König nach 43.Sxf3 exf3 um den schwarzen f-Bauern kümmern muss, läuft Schwarz mit seinem König zum weißen a-Bauern, um auf a1 eine neue Dame zu erhalten. Sollte nun Wolfgang mit z.B. 43.Sh3 oder 43.Kc3 auf dem strikten Remiskurs bleiben oder mit 43.Sxf3 ein Bauernendspiel herbeiführen, das eventuell gewonnen ist, aber keinen Rechenfehler verzeiht? Im Halbfinale, nach vier Stunden am Brett, an einem Freitagabend kurz nach Mitternacht – keine leichte Entscheidung. Doch schließlich entdeckte Wolfgang ein wichtiges Motiv: Sobald der schwarze König das Feld a4 betritt, funktionieren Bauerndurchbrüche, die Schwarz nicht verhindern kann und für die Weiß in der Regel nicht einmal seinen König benötigt.

Also: 43.Sxf3! exf3 44.g4!? (auch das direkte Wettrennen 44.Ke1 Kb7 45.Kf2 Ka6 46.Kxf3 Ka5 47.e4 dxe4+ [47…Ka4 48.f5] 48.Kxe4 Ka4 49.Ke5 Kxa3 50.Kxe6 Kb4 51.d5 gewinnt – und das vermutlich einfacher) Kb7 45.Ke1? (Weiß wartet, bis sich der schwarze König noch weiter vom Königsflügel entfernt, erschwert damit aber seine Aufgabe. 45.f5 exf5 46.gxf5 war bereits möglich, da der schwarze König nach 46…Kc7 47.Ke1 Kd7 48.Kf2 Ke7 49.Kxf3 Kf6 50.Kf4 zu spät kommt) Ka6 46.f5 exf5 47.gxf5 Kb5 48.Kf2 Ka4? (mit 48…Kc4! hätte Schwarz hier noch jede Menge Probleme stellen können [deshalb war 45.Ke1 ein Fehler], da auch der schwarze d-Bauer zur Dame wird – bitte selbst analysieren!):

Als böse Überraschung für Schwarz kam nun der schöne, bei 44.g4 geplante Gewinnzug 49.e4! auf das Brett und nach 49…dxe4 50.d5 (50…cxd5 51.c6; 50…Kb5 51.d6) war das Finale erreicht.

In diesem wartete Klaus-Peter, der im zweiten Halbfinale Jan ausgeschaltet hatte und es nun (als Weißer) mit einem ruhigen Damenbauernspiel versuchte (Weiß am Zug):

Während die in der Zuckertort-Eröffnung oft so gefährlichen Läufer auf d3 und b2 hier auf Granit beißen, darf sich Schwarz über die bessere Struktur (Damenflügelmajorität, Einzelbauern auf a2 und c4), die d-Linie und die Diagonale h1-a8 freuen. Weiß muss somit bereits aufpassen und sollte wohl am besten mit 19.Lb1 Sa5 20.Lc2 oder 19.Lc2 Sb4 20.La4 Lc6 21.Lb3 auf „Klammern“ umschalten. Nach 19.a3? Sa5! ließ sich hingegen aufgrund der weißen Schwächen (c4, d3 und g2) plötzlich Materialverlust nicht mehr vermeiden. Es folgte 20.Dc2 Dc6 21.Lf1 (einziger Zug, sonst nimmt Schwarz einfach auf d3) Txd1+ 22.Txd1 Txd1 23.Dxd1 Sxc4! und obwohl sich Weiß in der Zeitnotphase noch nach Kräften (und mit viel Kreativität) wehrte, sicherten die Damenflügelbauern Schwarz den Sieg. Eine Siegerehrung im kleinsten Kreis (das Spiel um Platz drei – den Jan gegen Lorenz eroberte – war vorgezogen worden) schloss den Bezirksdähnepokal 2018/2019 ab. Wird es für den Vertreter des Bezirks diesmal auf Pfalzebene besser laufen?

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