Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 10 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

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Verführerisch und faszinierend, aber ebenso ungerecht und grausam – so kennen alle Schachspielerinnen und Schachspieler die über ihnen wachende (oder besser: mit harter Hand herrschende) Göttin Caissa. Weniger bekannt ist Caissas Sinn für Humor, doch scheinbar bot der Landauer „Halligallitag“ (Matthias Lang) am 25. November der mächtigen Dame die passende Gelegenheit, um gerade diesen Aspekt ihres betörenden Wesens an den Brettern der Landauer Dritten zu offenbaren. Dass es sich dabei um einen sehr düsteren Humor handelt, der mit Caissas Jüngerinnen und Jüngern umspringt wie mit hilflosen Spielsteinen, versteht sich von selbst.

Ersatzgeschwächt und nur zu siebt kam Aufsteiger Dahn nach Landau, sodass es bereits von Beginn an 1:0 für Landau 3 stand (kampfloser Sieg an Brett 2). Von Beginn an übte auch Uwe Hünerfauth (2021) an Brett 1 mit den schwarzen Steinen spielend Druck auf Jonas Zwick (2055) aus. Mit feinen Läufermanövern (Lb4-c5-b6 und Lg4-d7) und energischem Vorgehen am Königsflügel erhielt Uwe eine aussichtsreiche Stellung. Als es jedoch Jonas Zwick gelungen war, die schwarze Initiative zu bremsen, führte Uwes letzter Zug vor der Zeitkontrolle (40…Tf8?) sogar zu einer weißen Gewinnchance, die sich der aufmerksame Dahner nicht entgehen ließ (Weiß am Zug):

Gefunden? Dass es sich dabei nicht um irgendeinen Unfall handelte, musste jede/r erkennen, der/die etwa eine Stunde zuvor einen Blick auf Fabian Böttchers (1851, hier mit Schwarz) Brett geworfen hatte, bot sich dort doch nach 26…Tf8? ein vertrauter Anblick (Weiß am Zug):

Der Unterschied zwischen beiden Stellungen? Nun, während Jonas Zwick mit 41.Lh7+! Kxh7 42.Txf8 die Qualität einstreifte und wenig später Uwe zur Aufgabe zwang, bot Dieter Meyer (1875) mit 27.Txf8+?  (wieder gewinnt 27.Lh7+! leicht – der Läufer steht sogar am gleichen Ausgangsfeld!) die Punkteteilung an! Fabian nahm angesichts seiner schlechteren Zeit die Offerte an, ohne allerdings zu ahnen, wie knapp er gerade dem Verderben entronnen war. Im Schachhimmel war ein leises Kichern zu vernehmen…

Damit niemand denken möge, ein solcher Motivzwilling sei reiner Zufall, zauberte Caissa das Thema „Qualitätsgewinn“ auch noch auf die Mehrzahl der weiteren Bretter. Bei Daniel Kuhn (1823), der an Brett 7 gegen Dr. Franz Schreiner (1865) spielte, entstand sogar ein regelrechter Tanz um die Qualität (Schwarz am Zug):

Mit dem starken 15…Se5! ignorierte Daniel zurecht den Angriff auf den Te6, setzte aber nach 16.Dd4 (16.Sxe6?? Sxd3+) mit 16…Lc5?! fort, was Weiß zwar zwingt, nach 17.Sxe6 fxe6 die gerade gewonnene Qualität zurückgeben (18.Da4 Le3), jedoch nach 18.Dxc5! dxc5 19.Txd8+ Txd8 20.Td1 Txd1+ 21.Sxd1 ein Endspiel zulässt, dessen Struktur fatal an die Spanische Abtauschvariante erinnert. Man muss nicht unbedingt Robert James Fischer heißen, um hier Schwarz leiden zu lassen. Für Daniel war nach ein paar Zeitnotfehlern denn auch nichts mehr zu machen. Besser wäre das aggressive 16…c5 gewesen, was auch der schwarzen Dame den Weg nach a5 räumt, z.B.: 17.De3 (17.Sxe6 cxd4 ist ganz schlecht für Weiß) Th6 18.Tdd1 (18.Sfd5 Sc4) Da5 19.Sfd5 Lxc3 20.Sxc3? (20.Dxc3 Dxa2 21.Se7+ Kf8 22.Sf5 ist notwendig und ausgeglichen) Db4 mit schwarzem Gewinn.

Den umgekehrten Weg beschritt Rainer Hornberger-Wissing (1988), dem an Brett 3 gegen Dr. Michael Schwarz (1994) ausgangs der Eröffnung flugs die Figurenkoordination abhandenkam (Weiß am Zug):

Mit dem Springer auf a5 und dem Läufer auf c3 bietet diese Stellung ein schönes Beispiel für Dr. John Nunns berühmten Taktik-Merkspruch „Loose pieces drop off! (LPDO)“ Man sehe: 15.Lh6 Le5 (15…Lg7 16.Lxg7 Kxg7 17.Dc3+! nebst 18.Dxa5) 16.Lxf8 Dxf8 17.Lxb7 Sxb7 18.Txb7 mit klarer weißer Gewinnstellung. Rainer hatte aber das Glück des Tüchtigen, als sein Gegner zuerst seine Königsstellung schwächte und schließlich eine dreifache Stellungswiederholung zuließ (Weiß am Zug):

Weiß kann hier mit 34.Kh1 De2 35.Dd5 h3 36.Dd2 Df3+ 37.Kg1 Dxa3 38.Kf2 oder noch gelassener mit 34.Df2 h3+ 35.Kf3 Dxa3+ 36.Kg4 auf der Siegesspur bleiben, wenngleich er seine Aufgabe gegenüber der Stellung nach dem 18. Zug wesentlich erschwert hat. Mit 34.Kh3 De6+ 35.Kg2 usw. fügte sich Weiß jedoch überraschend ins Remis.

All diese Wirrnisse wurden aber noch an Brett 8 getoppt: Mit zwei starken Mehrfreibauern im Endspiel Turm und Läufer gegen Turm und Läufer sah Meinrad Rapp (1745) gegen Manfred Engel (1781) lange Zeit als der Mann des Tages aus. Als sein d-Bauer bereits stolz auf d6 stand und niemand mehr an einer baldigen Umwandlung desselben zweifelte, brachte ihn sein zäher Opponent aber mit einem aktiven Königszug nachhaltig aus dem Konzept (Weiß am Zug):

Mit seinem letzten Zug 64…Kf3 hatte Schachfreund Engel zwar keine Mattdrohung aufgestellt, aber zumindest den Gewinn durch sofortiges 65.d7 verhindert, da nach 65…Tg4+ 66.Kh3 Tg3+ 67. Kh2 (67.Kh4 Tg4+) Tg5+ 68.Kh1 Txd5 69.d8D Txd8 70.Lxd8 Kg4 der h-Bauer fällt. Im verständlichen Bestreben, die g-Linie zu plombieren, überlastete Meinrad mit 65.Lg5 nun seinen Turm, was mit 65…Lg3+ 66.Kh3 Lxd6! eiskalt ausgenutzt wurde. Wenig später war das Unentschieden im entstehenden Turmendspiel unterschriftsreif. Stattdessen hätte 65.Td3+! recht einfach gewonnen, da Weiß zu Gute kommt, dass gleich zwei seiner Figuren das Umwandlungsfeld kontrollieren, z.B. 65…Ke2 (nach 65…Ke4 folgt einfach 66.Td4+ nebst 67.Txf4! und der Bauer läuft durch) 66.Td4 Lg3+ (66…Le3 67.Te4 nebst 68.Txe3; 66…Lh2 67.d7; 66…Ke3 67.Txf4) 67.Kh3 und für den d-Bauern gibt es kein Halten mehr.

Meinrad versuchte sich im Anschluss damit zu trösten, dass sein Gegner in einer früheren Partiephase einen möglichen Qualitätsgewinn nicht realisiert habe und somit ein Fall von ausgleichender Gerechtigkeit vorläge. Doch Caissa ist ein solch egalitäres Konzept gänzlich fremd und somit entpuppte sich der mögliche Qualitätsgewinn in der Analyse wenig überraschend als Fata Morgana (Weiß am Zug):

Mit 22.Lg4! (mit der Idee, den Läufer nach e2 zu überführen) hält Weiß hier seinen Vorteil fest, während der Anziehende mit dem „Schnapszug“ (Meinrad)  22.La2? nur seine eigenen Türme ins Gedränge bringt. Zwar gewinnt 22…e6 23.Lb3 Lf8! (Partiefortsetzung war 23…Kd7 24.c4!) 24.T3a2 Tb6 25.Ld1 Ld5 26.b3 a3 nur „fast“ die Qualität, führt aber zu einer sehr unangenehmen Stellung für Weiß (Weiß am Zug):

Die verheerende Zwischenbilanz dieses unfreiwilligen Thematurnieres: In nicht weniger als fünf (!) Partien trennten sich die Landauer aus freien Stücken von einer Qualität (wenngleich in einem Fall nur virtuell). Wenn dabei am Ende dennoch sage und schreibe 1,5 Punkte erzielt werden konnten, unterstreicht das einmal mehr die bekannte Freundlichkeit der Gäste aus dem Felsenland.

Zum Landauer Glück gab es aber auch zwei Ausnahmen, in denen selbst die Kräfte einer Göttin das Unausweichliche nicht abzuwenden vermochten. Zum einen führte Dr. Peter Fischer (1868) gegen Peter Zwick (1867) an Brett 4 noch einmal vor, was zahlreiche Elitegroßmeister bereits bewiesen hatten: Die Berliner Verteidigung der Spanischen Partie kann man getrost stundenlang spielen, am Ende ist es immer remis. Zum anderen hätte, als an Brett 6 der Dahner Klaus Knöringer (1779) unter dem Druck der Zeitnot in der Stellung des nächsten Diagramms 37…Txe8? zog, schon Zeus persönlich einen Blitz schleudern müssen, um Matthias Schubert (1839) an 38.Dxd2 und damit der einzigen Landauer Gewinnpartie zu hindern (Schwarz am Zug):

Egal, ob man den vergebenen Chancen nachtrauert oder erleichtert ist, dass es nicht noch viel schlimmer kam, richtig glücklich ist in der Dritten niemand über das 4:4 gegen sieben Dahner, zumal die Tabellensituation durch die Außenseitersiege von Haßloch (gegen Mutterstadt) und dem bisherigen Schlusslicht Zweibrücken (sensationell gegen Ramstein-Miesenbach in Bestbesetzung) nicht gerade gemütlicher wurde. Am 16. Dezember muss daher zuhause gegen Haßloch wieder einmal ein Mannschaftssieg gelingen – auf Caissas Hilfe wird man sich dabei besser nicht verlassen.

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