Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 9 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

Spielbetrieb Jugend 18/19

Spielbetrieb Frauen 18/19

Landau II übersteht turbulenten Mannschaftskampf in Bingen

Die Sonne lacht, das Laub funkelt farbenfroh, junger Wein wird kredenzt – in der Südpfalz lässt es sich im Oktober leben. Welcher Reiz darin besteht, sich an einem goldenen Oktoberwochenende frühmorgens je zu viert in zwei Autos zu pressen und der Südpfalz zu entfliehen, um nach mehr als zweistündiger Fahrt gen Norden stundenlang in einem geschlossenen Raum ohne Sonne, Laub und Wein über (zu) schweren Entscheidungen zu brüten, wird man Nicht-Schachspielern wohl nie vermitteln können. Jedenfalls absolvierte die Landauer Zwoote am 27. Oktober ihr Auswärtsspiel im regnerischen Bingen. Es wurde eine erbitterte Schlacht, in der nach sechseinhalbstündigem Kampf sogar eine unschuldige Glastür beinahe zu Bruch ging. Doch der Reihe nach!

Nicht mit der allerstärksten, aber doch einer passablen Aufstellung (ø 2008) reiste Landau II zum SK Bingen (ø 1973), der mit einem Sieg gegen Neustadt und einer knappen Niederlage gegen das Spitzenteam aus Kaiserslautern nicht übel in die Saison gestartet war. Man war vor den jungen und nicht mehr ganz so jungen Talenten an den ersten Brettern gewarnt, sah insgesamt aber durchaus Chancen auf einen Auswärtssieg. Und es begann zudem mit einer sehr erfreulichen Überraschung an Brett 4:

Nach raschem Damentausch in der Eröffnung hatte Thomas Hirschinger (1987) mit zuletzt 13…Tc8 hier die Punkteteilung angeboten. Hans-Uwe Hinrichs (2028) setzte optimistisch mit 14.c4 den Kampf fort, da er nicht wusste, wie unerbittlich Caissa jeden straft, der in ausgeglichener Stellung Toms Remisangebot ablehnt. Weitere Vereinfachungen folgten, aber selbst im Turmendspiel stürmte der Bingener unverdrossen nach vorne:

Hier zeigt die weiße Stellung bereits deutliche Überdehnungszeichen, während der schwarze König sicher ist und der schwarze Turm aktiv (hinter dem Freibauern) steht. Dennoch machen Computer mit 33.f6! recht locker remis (z.B. 33…Kd7 34.Tb4 Ke6 35.Tb7 Txa4+ 36.Kg3 Kxe5 37.Txf7 Ta3+), während 33.e6? rasch in den Abgrund führte: 33…Tf1+ 34.Kg3 Txf5 35.exf7 Txf7. Um das Drama zu vollenden, überschritt Weiß bei der Ausführung des 40. Zuges noch die Zeit – 1:0 für Landau II, das noch nicht ahnte, wie wichtig dieser Sieg noch werden würde.

Bingen reagierte mit einem eigenen Remisangebot an Brett 2. Hier hatte es Dr. Wolfgang Grünstäudl (2134) mit dem amtierenden U-18 Rheinland-Pfalz-Meister Niklas Hinrichs (2098) zu tun. Wolfgang gelang es zwar nicht, die verhaltene Eröffnungsbehandlung des Nachwuchsspielers auszunutzen, konnte aber immerhin ein hübsches Vollzentrum errichten, das vom Bingener mit aktivem Figurenspiel bekämpft wurde:

Wie soll Schwarz nach zuletzt 24.Dc7 der Bedrohung des Bauern auf e5 begegnen? Wolfgang plante 24…Db5?, ohne auf das logische 25.Sc3 eine überzeugende Antwort in petto zu haben, da er nach 25…Db6 (25…Dxb2 26.Tb1 Tbc8 27.Dxc8! ergibt eine Minusqualität) 26.Dxe5 Dxb2 27.Tb1 das wichtige 27…Sc6! und in der besseren Alternativvariante 24…e4! 25.Sc5 das Motiv 25…Dc8! 26.Sxe6 Dxe6 27.Le2 Txb2 mit schwarzem Vorteil nicht entdeckt hatte. Mit (unberechtigter) Erleichterung nahm er deshalb das Remisangebot seines Kontrahenten an – 1,5:0,5.

Am Nebenbrett sah FM Rolf Bernhardt (2137) dies mit Sorge, hatte sich doch bei ihm gerade ein folgenschwerer Unfall ereignet:

Nachdem Rolf dem Bingener Spitzenspieler Lukas Seidler (2168) bereits im 20. Zug einen Bauern abgeknöpft hatte, war ihm der Vorteil wieder entglitten und Schwarz hatte nun mit seinen beiden exzellenten Blockadespringern keine Sorgen mehr. Doch es sollte mit dem scheinbar aktiven 34.Td7?? noch schlimmer kommen, da Springer nicht nur blockieren, sondern auch gabeln können: 34…Tbxf3! 35.Txf3 Txf3 (36.Kxf3 Sxe5+). Mit 36.Te7 Tc3 37.Lxh6 gxh6 38.Txe6 biss sich der Landauer Altmeister aber an der Brettkante fest – nicht willens aufzustecken, ehe tatsächlich der allerletzte Hoffnungsschimmer verblasst sein würde.

Unterdessen nahm Gerhard Silber (2153) auch noch das dritte Mitglied der Hinrichs-Familie aus dem Rennen, wobei allerdings Paul Hinrichs (2057), der zur Freibauernbildung auf b4 einen Springer geopfert hatte, mit einem blauen Auge davon kam:

Getreu dem Motto „Invite everybody to the party!“ empfand man in der post mortem Analyse recht einhellig 32.Th6! als den stärksten Zug, doch für den Rechner ist Gerhards 32.Lxd5+!! die allerbeste Wahl. Weiter ging es mit 32…exd5 33.Sxd5! Db2+ (33…Kxd5 34.De4#) 34.Kg3 Td7 35.e6? (35.De4! Txd5 36.Th6+) 35…Txd5? (35…fxe6 36.fxe6 Txd5 37.e7 Txg5+ sollte halten) 36.e7 und Gewinnstellung, in der Gerhard überraschend vom Mut verlassen wurde (bzw. er in der Variante 37…Ld7 37.e8D Lxe8 39.Dxe8+ Kc7 40.Dxf7+ Td7 41.Se6+ Kc6 den Killer 42.d5+ nicht voraussah) – 2:1.

Das nächste Ergebnis gab es bei Daniel Kuhn (1853), der von Arno Stassen (1771) an Brett 8 wüst attackiert wurde:

Der Rheinhesse wollte es hier mit 20.Lg5?? wissen! Nach 20…hxg5 21.Sxg5 Lxf2+! (es gewinnt auch 21…e4) 22.Kxf2 (22.Dxf2 Sg4 23.Dh4 Db6+) Se4+ 23.Ke1 Sxg5 wäre die Partie auch sofort zu Ende gewesen – allerdings nicht im Sinne des Anziehenden. Daniel, sonst als „Schirow von Impflingen“ bekannt, setzte mit 20…e4? zu harmlos fort und fand sich nach 21.Lxf6 exf3 22.Ld4! Lxd5? (besser 22…Lxd4 23.Dxd4 Tf4 mit Ausgleich) 23.Dh5! Tad8 sogar in einer Verluststellung wieder:

Zum Glück entschied sich Schachfreund Stassen nicht für 24.Lxc5 Dxc5 25.Le4, sondern strebte mit 24.Dg6? eine Remisschaukel auf h7 und g6 an, der Daniel nicht mit vertretbarem Risiko ausweichen konnte – 2,5:1,5.

Wenig los war diesmal bei Dr. Peter Fischer (1837), der mit Jakob Lutterbach (1821) an Brett 7 fröhlich Figuren tauschte und bei beiderseits sehr knapper Zeit in folgender Stellung (nach zuletzt 32.Kxc3) die  Punkteteilung anbot – 3:2.

Fünf Partien zu Ende, ein paar Chancen nicht genutzt, dennoch ein Punkt Vorsprung – soweit, so gut. Doch während Rolf weiter tapfer kämpfte, zogen dunkle Wolken über der Zwooten zusammen. Mannschaftsführer Tobias Grenz (1944) hatte Alexander Lawrence (1944!) nach beidseits schwerblütiger Eröffnungsbehandlung im Mittelspiel nach allen Regeln der Kunst überspielt, ehe er den Faden verlor:

Unmittelbar nach der Ausführung von 30…Th4? (mit nur noch wenigen Minuten auf der Uhr) sah Tobias die hübsche Unterbrechung 30…Sg4+ (31.Lxg4 Kxg7, auch 30…Tf2 und 30…Tf4 sind sehr stark). Hübsch, aber nicht in gleichem Maße vorteilhaft, war auch die Bauernmasse nach 31.Le2 Sg4+ (zu spät) 32.Kg3 Txh3+ 33.Kxh3 Kxg7 34.f3 h5 35.fxg4 hxg4+ 36.Kg2, die statt 36…Th8 mit 36…e5! sofort loslaufen hätte sollen („Free farmers…“).

Im verflixten 40.Zug dann die Tragödie:

Da der weiße Bauerndurchbruch ohnehin nicht zu verhindern ist, leistet 40…Kf7?? nichts, sondern verliert nur lebensnotwendige Zeit im Wettlauf der Bauern (40…b3 41.c6 bxc6 42.a5 b2 43.Ld3 c5 44.a6 c4 45.Lc2 d4 46.a7 d3 47.Lb1 d2 ist gerade noch rechtzeitig), den Weiß mit 41.c6 bxc6 42.a5 b3 43.a6 c5 44.a7 b2 45.Ld3 c4 46.Lb1 für sich entschied – 3:3.

An Brett 5 musste es Nico Kopp (2020) gegen Adrian Springer (1896) im Endspiel bereits mit einem Remisangebot versuchen, das der stark aufspielende Mannschaftsführer der Gastgeber jedoch ablehnte. Zu Recht, denn alsbald stockte den Landauer Kiebitzen der Atem:

Das Bauernendspiel mit gedecktem Freibauern nach 45…Lxe3! 46.Kxe3 a4 47.Kd3 (47.bxa4 bxa4 48.Kd3 Kb5 49.Kc3 g5) 47…a3 48.Kc2 b4 ist für Schwarz trivial gewonnen, da der schwarze König via d7-e7-f6-g5-f4 tödlich in die weiße Stellung einmarschiert. Nach 45…Ld6 46.Sc2 nahm die Sache jedoch alsbald einen friedlichen Ausgang – 3,5:3,5 und Showdown an Brett 1!

Dort war es nun an Schachfreund Seidler fehl zu greifen:

Bleibt der König mit 50…Kh5 bei seinem h-Bauern, so geht nach 51.Td6 Ta3 52.Td5+ Kg4 zwar der b-Bauer verloren, aber die schwarze Armee wirkt vernichtend gegen den weißen Monarchen. Nach 50…Kf5? wird die weiße Verteidigungsaufgabe hingegen ein klein wenig leichter, da 51.Txh6 zwei verbundene Freibauer kreiert, die Gegenspielpotential in sich bergen. Und tatsächlich: Die beiden gelangten unter Opfer ihres Kollegen auf der b-Linie noch weiter nach vorne und retteten dem Anziehenden schließlich nach 74.Tb7 einen halben Punkt zum 4:4:

Direkt nach seiner Rettungstat (alle Geheimnisse dieses faszinierenden Endspiels wird hoffentlich Torsten beim Saisonabschlusstraining erklären) wollte Rolf die Toiletten aufsuchen – und krachte mit solcher Wucht gegen eine Glastür, dass man um diese sowie um Rolfs Nase wie Brille bangen musste. Es blieb aber alles heil und so kam die Zwoote wieder in jeder Hinsicht komplett in der Südpfalz an.

In einer sehr ausgeglichenen Liga bedeutet dieses Ergebnis nun den alleinigen dritten Tabellenplatz. Darauf ausruhen kann man sich allerdings nicht, denn in der nächsten Runde kommt mit Kaiserslautern (Tabellenzweiter mit 17,5/24 Brettpunkten) eine Mannschaft nach Landau, die vor Kraft kaum laufen kann: Gegen Bann trat man mit einem DWZ-Schnitt an, der sogar manche Oberliga-Mannschaft neidisch macht (ø 2110) und siegte 6,5:1,5. Fans und Unterstützer von Landau II tragen sich deshalb den 17. November jetzt schon rot in den Kalender ein. Die Zwoote wird bereit sein!

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