Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 9 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

Spielbetrieb Jugend 18/19

Spielbetrieb Frauen 18/19

Das Halloween-Gambit geht wieder um!

Es war ein ganz gewöhnlicher Samstagnachmittag (wie immer mit geöffnetem Klub ab 15:00 Uhr), an dem in der Redaktion dieser Webpage ungewöhnliche Post einging: Eine faszinierende Partie, offenbar vor nicht allzu langer Zeit in freier Wildbahn gespielt (Auf einem Server? In einer Kneipe? Beim Klubturnier?) und von kundiger, aber anonymer Hand kommentiert. Auch die beiden Spieler*innen waren hinter Pseudonymen verborgen; allzu runde Wertungszahlen deuteten immerhin an, dass sie zu den Fähigeren unserer Zunft zu zählen sind. Als passend mysteriöse Eröffnung fungierte das sagenumwobene Halloween-Gambit, welches ausgerechnet im sonst so zahmen Vierspringerspiel früh zu massivem Blutvergießen führt und „eigentlich“ als widerlegt gilt. Selbstverständlich konnten wir mit der Veröffentlichung dieser Zuspielung nicht bis Ende Oktober warten, ist doch jetzt, nach Ende der seriösen Mannschaftskämpfe, Zeit und Gelegenheit, endlich einmal mutig Schach zu spielen!

 

Michael Myers (2100) – Pragmatiker (2000)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.Sxe5

Das äußerst fragliche Halloween-Gambit. Theoretisch dürfte es inkorrekt sein. Praktisch gesehen bereitet es jedoch ein paar Schwierigkeiten. 4…Sxe5 Ein direktes Ablehnen ist nicht gut möglich. 5.d4 Sc6 5…Sg6 6.e5 Sg8 7.Lc4 ist gewissermaßen die Hauptvariante.

Hier hat Schwarz nun mehrere vielversprechende Möglichkeiten. Die prinzipielle scheint 7…d5 8.Lxd5 S8e7 zu sein. Schwarz gibt noch einen zweiten Bauern, um sich freier entwickeln zu können und selbst Druck zu machen. 6.d5 Lb4 Eine pragmatische Entscheidung. Die Figur wird zurückgegeben, es kommt üblicherweise nicht mehr zu haarsträubenden Verwicklungen und Schwarz sollte über einen kleinen Vorteil verfügen. 7.dxc6


7…00 Setzt auf den Entwicklungsvorsprung und möchte noch vor der weißen Rochade die e-Linie öffnen. Sieht im ersten Moment unbequem für Weiß aus, aber bei genauem Spiel sollte er keine Probleme haben. Die prinzipielle Fortsetzung, mit der Schwarz einen kleinen Vorteil festhalten kann ist 7…Sxe4! 8.Dd4 De7 9.Le3. 8.Ld3 Im Moment hat Weiß einen Bauern mehr. Dass der allerdings nicht zu halten ist, ist offensichtlich. 8.cxb7 entwickelt den Läufer, der von da direkt Druck auf e4 macht. 8.cxd7 ist spielbar, der Läufer wird auf kein gutes Feld entwickelt, dennoch dürfte auch hier der e-Bauer nicht zu halten sein. 8…d5 Schwarz hält an dem Plan fest, so schnell wie möglich aktiv zu werden. Er wird allerdings früher oder später sich um den c6 kümmern müssen. 8…bxc6 hätte in eine wohl bekannte Stellung geführt, die üblicherweise aus dem Zweispringerspiel im Nachzug entsteht, bzw. auch aus Schottisch mit 4...Lb4 entstehen kann.

9.e5 Dadurch gelingt es Weiß, die Stellung kompliziert zu halten. Angesichts von Fesselungsmotiven in der e-Linie wirkt das riskant, aber das Risiko bleibt überschaubar. Hier zeigt sich zum ersten Mal auch ein Problem des stehen gelassenen c6. 9…Sg4 ist nicht möglich, da nach 10.cxb7 eine Figur verloren geht. 9…De7 Sollte Weiß Angst bekommen, kann er hier natürlich einfach rochieren und die Stellung droht zu verflachen. Aber wer Halloween auspackt, will es kompliziert und hat üblicherweise keine Angst. Ein bisschen Vorsicht sollte er trotzdem walten lassen, so würde 10.f4 den Bogen deutlich überspannen. Dadurch würden gleich zwei Diagonalen (g1-a7, d1-h5) empfindlich geschwächt werden, was vermutlich mit einem schnellen Knock-Out einhergehen würde. 10.De2

Etwas überraschend steht Weiß hier bereits besser. Schwarz hat das c6 Problem noch nicht gelöst und es gelingt auch nicht, das Spiel gegen den weißen König voranzutreiben. Schwarz leitet nun eine forcierte Zugfolge ein, die jedoch den weißen Vorteil vergrößert. 10…d4 11.a3 Auch 11.exf6 wäre gut spielbar für Weiß: a) 11…dxc3 sieht spektakulär aus…

… verliert jedoch nach 12.fxe7 (auch 12.Dxe7 gewinnt, da nach 12…cxb2+ 13.Dxb4 bxa1D 14.00 Dxf6 15.De4 erneut die Doppeldrohung 16.Dxh7# und 16.cxb7 mit Figurengewinn entscheidet) 12…cxb2+ 13.Kd1 bxa1D 14.De4 g6 15.exf8D+ Kxf8 16.cxb7; b) 11…Dxe2+ 12.Kxe2 dxc3 ist ebenfalls vorteilhaft für Weiß, der es jedoch nach wie vor so komplex wie möglich halten will. Motivation ist neben dem Spaß an solchen Stellungen die Tatsache, dass bei beiden Spielern die Restbedenkzeit bereits auf unter eine halbe Stunde gesunken ist. 11…dxc3 12.axb4 Dxb4


13.00 Natürlich wäre b3 eine gute Wahl gewesen. Weiß müsste sich dann aber in der Folge womöglich zwischen den zwei verlockenden Zügen La3, sowie Ta4 entscheiden. Um sich vor dieser Entscheidung zu drücken, wählt Weiß die Fortsetzung, in der wieder mal die Doppeldrohung De4 eine Rolle spielt. 13…cxb2 14.Lxb2 Bei präzisem Rechnen ist hier 14.Tb1 möglich. Aufgrund schwindender Bedenkzeit spielt hier nun Weiß pragmatisch. Lieber den Spatz in der Hand, als ein Glashaus in der Grube! 14…Dxb2 15.exf6 bxc6 Mir scheint b6 besser. Aber auch zweischneidiger. Der c6 könnte dann womöglich noch gefährlich werden, vielleicht sogar entscheidend. 15…Dxf6 scheitert einmal mehr an 16.De4. 16.fxg7 Dxg7

Was ist hier nun los? Die Verwicklungen sind entwickelt. Schwarz hat einen Bauern mehr. Nur welcher der vielen vereinzelten ist es? Weiß steht aktiver und hat die Wahl zwischen Königsangriff oder Bauern einsammeln. 17.Ta4 Ein flexibler Zug. Legt sich noch nicht fest, der Turm kann nach h4 gehen, oder aber unterstützt vom anderen Turm oder der Dame auf Bauernjagd gehen. Zusätzlich wird 17…Lg4 verhindert. Falls weiß es auf den a-Bauern abgesehen hat, sollte unbedingt im Hinterkopf behalten, dass dies nicht mittels Turmverdopplung (sofort) funktioniert, da nach Txa7 Dxa1 käme... 17…Ld7 18.Th4 f5 Ist das gut oder weniger gut? Der f-Bauer verspricht Schwarz etwas Gegenspiel, schwächt aber die Königssicherheit. Doch so richtig scheint mir das Weiß nicht ausnutzen zu können.

19.Ta4 Das positionell plausible 19.f4 sorgt für einen abgeklemmten weißen Turm und eine Schwächung der Diagonale g1-a7. Eine Invasion weißer Schwerfiguren über g- und/oder h- Linie ist zwar eine schöne Vision, dauert aber viel zu lange. 19…a5 Unnötig. Der a-Bauer ist eh nicht zu halten. 20.Dd2 Kh8 21.Txa5 Tg8 22.g3 Txa5 23.Dxa5 f4 Der c7 hängt und ist auch zu nehmen, so schlimm sind die schwarzen Drohungen nicht. Andererseits ist der Bauer relativ wertlos, daher lieber aktiv spielen.

24.Te1 fxg3 24…f3 scheint natürlich verlockend. Aber da Weiß gut koordiniert ist, wird er nicht matt gesetzt und auf lange Sicht dürfte der f3 dann eher leichte Beute werden. 25.hxg3 Hier zeigt sich noch ein praktischer Vorteil des Nichtnehmens des c7: Die Dame kontrolliert das Feld h5, wodurch hier nicht sofort der nächste Störenfried ins Rennen geschickt werden kann.

25…Te8 Was hat Schwarz für Alternativen? Es drohte der Damentausch durch 26.Da1 oder 26.De5. Gewonnen sollte die weiße Stellung so oder so sein, ein Damen-(+Läufer)-Endspiel stellt jedoch deutlich höhere Anforderungen an die weiße Technik. 26.Txe8+ Lxe8 27.Df5 Da1+ 28.Kg2 Dg7 29.Df4 Lg6 30.Dg4 Die Stellung ist sehr undankbar für Schwarz. Ein Läufertausch wäre wünschenswert, ist aber kaum zu bewerkstelligen.

30…Lxd3  Der letzte Fehler, das Bauernendspiel ist trivial gewonnen. 31.Dc8+ Dg8 32.Dxg8+ Kxg8 33.cxd3 Kf7 34.Kf3 Ke6 35.Kg4 Kf6 36.Kh5 Kg7 37.d4 h6 38.f4 Kh7 39.f5 Kg7 40.g4 Kh7 41.f6 c5 42.dxc5 c6 43.f7 1–0.

[Anm. d. Red.: Na, Lust bekommen? Der Schachkongress 2019 bietet ab 18. April zahlreiche Möglichkeiten, mit dem Halloween-Gambit für Gruseln zu sorgen!]

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