Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 9 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

Spielbetrieb Jugend 18/19

Spielbetrieb Frauen 18/19

David Smerdon erklärt, wie man verlorene Stellungen rettet

Das Schachbuch des Jahres 2020!

Ok, es ist erst Juni. Ok, das Jahr 2020 hatte bislang einige Überraschungen für uns, so dass man eigentlich gar keine Prognosen mehr wagen möchte. Doch in einem Punkt legen wir uns fest: Ein besseres, relevanteres und unterhaltsameres Buch für Vereinsspieler als "The Complete Chess Swindler" wird in diesem Jahr nicht mehr erscheinen! Zu lange musste man darauf warten, dass endlich ein kompetenter Autor erklärt, mit welchen Strategien man in verlorenen (!) Stellungen noch Punkte retten kann – etwas, das bekanntlich durch Aufgeben nicht erreicht werden kann. Wir werfen einen Blick in dieses großartige Buch.

Wer kennt das nicht: Im Duell mit einem lokalen Spitzenspieler – denken wir z.B. an einen großgewachsenen Fidemeister mit langen blonden Haaren – gelingt eine giftige Eröffnungsüberraschung. Im Mittelspiel geht es weiter nach Wunsch, Material wird gewonnen, der Sieg scheint nur noch Formsache. Der FM wankt – fällt aber nicht. Plötzlich, wie durch Geisterhand, ändert sich der Charakter der Stellung, alles wird irgendwie chaotisch und unübersichtlich und schließlich – uiuiui – rettet sich der FM nicht bloß ins Remis, sondern sackt gar den vollen Punkt ein. „Chess is a cruel game“ schreibt David Smerdon, Ökonom, australischer GM (Elo 2508) und Schachbuchautor.

Doch woran orientiert sich ein erfahrener Schwindler wie unser FM? Mit welchem inneren Kompass navigiert man erfolgreich in verlorenen Stellungen? Konkret: Was soll Schwarz in einer solchen Stellung (noch) spielen?

Ehe wir die Lösung und (vor allem!) Smerdons Lösungstechnik vorstellen, ganz kurz zum Aufbau des Buches: Im ersten Teil erklärt Smerdon, was er überhaupt unter einem „Schwindel“ versteht und bespricht die für die Praxis entscheidende Frage, wann es gilt, in den „Schwindelmodus“ zu schalten. Wichtig ist Smerdon dabei, innerhalb der Grenzen des Regelwerks zu bleiben. Bei allen Versuchen, psychologische Schwächen des Gegners auszunutzen und/oder ihn zu Fehlern zu verleiten, geht es weder um „schmutzige Tricks“ noch um den klassischen Betrug („cheating“). Deshalb ist „The Complete Chess Swindler“ auch so ein gutes Schachbuch: Immer geht es darum, in der Stellung vorhandene Ressourcen aufzuspüren und diese bestmöglich zu nutzen.

Im zweiten Teil („Die Psychologie der Schwindel“) identifiziert Smerdon einerseits typische psychologische Schwächen von Spielern, die eine Gewinnstellung erreicht haben (z.B. Ungeduld, Hochmut und Angst) und andererseits psychologische Grundhaltungen, die den erfolgreichen Schwindler auszeichnen (z.B. Optimismus, Zähigkeit, …). All das natürlich mit ganz vielen Partiebeispielen.

Dann werden in Teil drei „Werkzeuge“ des Schwindlers beschrieben, für die Smerdon klingende Namen wie „Das trojanische Pferd“ (= ein vergiftetes Geschenk) oder „Window-Ledging“ (= radikales Erhöhen des Risikos für beide Seiten; wohl am besten zu übersetzen mit „Kämpfen auf dem Fenstersims“)  gefunden hat. Auch in Teil vier geht es um Werkzeuge des Schwindlers, allerdings mehr um deren spezifisch schachliche Seite – typische Pattfallen, Dauerschachmuster, Festungen und für verzweifelte Spieler wichtige Endspieltypen werden hier vorgestellt.

Teil fünf („Swindles in Practice“) stellt einige wunderbare Praxisbeispiele mit ausführlichen Kommentaren vor. Smerdon interessiert sich dabei nicht nur für Großmeisterpartien, sondern erläutert auch mal eine Partie zwischen 1600ern. Schließlich finden sich in Teil sechs noch 110 Übungsaufgaben, in denen es nicht darum geht, einen Gewinnweg zu finden (den gibt es ja in verlorenen Stellungen nicht…), sondern eine brauchbare Schwindelchance zu kreieren. Eine einzigartige und sehr hilfreiche Sammlung für jedes Training!

Smerdon schreibt mit viel Humor, äußerst praxisnah und in einem zugänglichen Englisch. Da die einzelnen Teile und Unterkapitel zwar logisch angeordnet, aber doch in sich geschlossen sind, kann man das Buch einfach an einer beliebigen Stelle aufschlagen und zu lesen beginnen (Vor allem die Übungen am Ende lohnen sich von Anfang an!). Mit vielen Diagrammen ausgestattet, ist „The Complete Chess Swindler“ auch der perfekte Begleiter für den Nachmittag am See!

Jetzt aber zur oben vorgestellten Verluststellung, die Smerdon (Schwarz) auf den Seiten 75-77 ausführlich bespricht. Smerdon gibt den Ratschlag, sich bei der Suche nach einer Schwindelchance immer drei Fragen zu stellen: 1) Was will mein Gegner?, 2) Wie möchte er das erreichen?, und 3) Was ist gut an meiner Stellung?. Sehen wir uns noch einmal die Stellung mit Smerdons Antworten an:

1) Was will mein Gegner?

Antwort: Mich mit seinem Mehrmaterial (Dame!) mattsetzen („To use his material advantage to mate me“).

2) Wie möchte er das erreichen?

Antwort: Eindeutig durch 2.Te7+, 3.Db6/a7 usw. Stoppen lässt sich das nur mit 1…The8, aber dann gehen alle Königsflügelbauern verloren. Immerhin wird es nicht Matt.

3) Was ist gut an meiner Stellung?

Antwort: Ich kontrolliere die weißen Felder, sein König ist nicht von Figuren beschützt und die weiße Grundreihe ist schwach (Könnte man einen Turm nach f1 beamen, wäre es Matt.).

Was also soll Schwarz ziehen? Ein Möglichkeit wäre 1…Thg8! mit der Idee 2.Te7+ Kc8 3.Db6?? Td1+ 4.Kf2 Tf1#.

Doch für Smerdon, der gegen einen IM zu spielen hatte, war diese Falle noch zu offensichtlich. Mit 1…h5!! verfolgte er dieselbe Grundidee (Spiel auf den weißen Feldern; das Feld g3 kontrollieren), doch mit einer wesentlich subtileren Pointe. Es folgte: 2.Te7+ Kc8 3.Da7?? (arglos) Td1+ 4.Kf2 Tf1+ 5.Kg3 h4+ 6.Kh3.

Bis hierhin hatte Weiß bei 3.Da7?? gerechnet, doch nun zeigt sich der Wert der dritten Frage (weiße Felder!!): 6…Tf3+!! 7.gxf3 Lf1# 0-1.

Ja, es stimmt, das entscheidende Motiv sieht man oder man sieht es nicht („you either spot it or don’t“), aber Smerdon betont zurecht, dass die drei Fragen eben die maximalen Chancen bieten, es tatsächlich zu finden.

Und jetzt: Buch des Jahres bestellen, das Schmökern genießen und in Zukunft (online oder irgendwann auch offline) Punkte retten!

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