Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 9 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

Spielbetrieb Jugend 18/19

Spielbetrieb Frauen 18/19

Der Lichess-Kulturkampf um das Schweizer System und was Landau dazu beitrug

Normalerweise überschreiben wir die Beiträge auf dieser Seite nicht mit englischen Kraftausdrücken. Aber diesmal ging es nicht anders. Die beiden Worte, die jede/r für sich übersetzen möge, sind Teil einer brandaktuellen Mitteilung, die das Leben vieler Vereine, welche Corona-bedingt ihr Vereinsheim auf Lichess aufgeschlagen haben, entscheidend verändern (vielleicht besser: normalisieren) wird. Lichess-Gründer und Hauptentwickler Thibault Dublessis hat nämlich gestern Nacht (4.5.) angekündigt, dass es in ein paar Wochen („few weeks“) möglich sein wird, auf Lichess Turniere im Modus „Schweizer System“ durchzuführen. Warum das eine spektakuläre Entwicklung ist und wie es dazu kam, sei im Folgenden aus Landauer Perspektive kurz erklärt.

EDIT: Seit dem 9. Mai sind nun Turniere nach Schweizer System auf Lichess möglich! Rundenturniere sollen folgen.

Wie bereits berichtet, fand der SK Landau nach der Einstellung des Spielbetriebs ab dem 14. März auf der nicht-kommerziellen Schachplattform Lichess eine neue Heimat. So auch viele andere deutschsprachige Vereine, wozu ein Einstiegsmanual, das einen Tag später vom bekannten Schach-Blog "Perlen vom Bodensee" veröffentlicht wurde, sicher einen wesentlichen Beitrag leistete. Vieles an der neuen Heimat löste Begeisterung aus, doch etwas Wesentliches fehlte: Die bewährten Turnierformate „Schweizer System“ und „Rundenturnier“ ermöglicht Lichess nicht. (Ob den niederländischen Schachfreunden das geniale „Keizer System“ in ähnlicher Weise fehlt, wissen wir nicht, vermuten es aber.)

Stattdessen werden alle Turniere auf Lichess im sogenannten Arena-Modus ausgetragen, der das Absolvieren (und Gewinnen) von möglichst vielen Spielen in einer vorgegebenen Zeit belohnt. Bei allen Stärken dieses einzigartigen Modus doch eine überraschend monotone Lösung für eine Seite, die sogar Horde-Schach im Programm hat. Doch Lichess lebt nicht nur vom Charisma seines Gründers, sondern auch von einer quirrligen Spielergemeinschaft („community“, „crowd“), die ständig über weitere Verbesserungen und Innovationen diskutiert. Das heißt: Wer etwas ändern möchte, kann (und soll!) sich einbringen. Genau das tat der uns unbekannte User „ssa2973“ vor etwa einer Woche.

Phase 1: Hatten wir schon!

Im Feedback-Forum startete "ssa2973" einen neuen Diskussionsstrang („thread“, alle Beiträge hier) mit der Bitte, Schweizer System- und Rundenturniere auf Lichess zu ermöglichen. Ein anderer User prophezeite sogleich, dass Thibault Dublessis sich wohl der Sache annehmen würde, sobald unter der Bitte von „ssa2973“ mehr als 100 Likes stünden. Doch davon war vorerst wenig zu sehen. User „tpr“ wies sofort darauf hin, dass diese Bitte ein alter Hut sei: Oft sei schon nach diesen Formaten gefragt worden. Ja, in der Vergangenheit hätte es sie sogar auf lichess gegeben; doch sie hätten sich nicht bewährt.

Etwas zerknirscht nahm „ssa2973“ das zur Kenntnis. Die Diskussion schien nach nur 8 Beiträgen zu Ende.

Phase 2: Landau schaltet sich ein

An diesem Punkt wies der Landauer Spieler „Kwatschewsky“ in einem Beitrag auf zwei wichtige Punkte hin. Erstens auf die Schwächen des Arena-Modus: Bei vereinsinternen Turnieren hatten die Landauer gemerkt, dass man bei wenig Teilnehmern häufig den selben Gegner bekommt, während man gegen andere Teilnehmer überhaupt nicht gelost wird. Nicht gerade prickelnd. Zweitens auf die durch Corona komplett veränderte Situation: Nicht einzelne Spieler, die schnell und unkompliziert zocken möchten, sondern ganze Vereine strömen auf die Plattform, um hier einen Teil ihres Vereinslebens weiter zu pflegen.

Nun nahm die Debatte Fahrt auf. Thibault Dublessis selbst schaltete sich ein, um darauf hinzuweisen, dass man das Problem mit wiederholten Paarungen in kleinen Turnieren mittlerweile behoben habe. Eine sehr gute Nachricht, doch zu alternativen Turnierformaten – kein Wort.

Von Seiten der Foren-Moderation wurde stattdessen ernsthaft vorgeschlagen, die Spielleiter sollten Schweizer System- und Rundenturniere einfach selbst auslosen bzw. verwalten und nur die Partien auf Lichess austragen lassen. Eine „Lösung“, die tatsächlich einige Vereine – mit wenig überzeugenden Ergebnissen – versucht hatten und auf deren prinzipielle Schwächen ein weiterer Landauer, „FaulerZauberer“, aufmerksam machte.

Währenddessen stellte sich „tpr“ weitgehend alleine den immer zahlreicheren und immer gehaltvolleren Argumenten für weitere Turnierformate neben (nicht: statt) „Arena“ mit einem Eifer entgegen, als sei er Horatius Coclus und verteidige die ewige Stadt. Auf diese Weise entwickelte sich die Debatte – intensiv, aber stets fair geführt – über Tage weiter und generierte über 100 Beiträge, bis eine überraschende Nachricht eintraf.

Phase 3: Eine Ausnahme für Kramnik & Co.?

Diese bestand in der Bekanntgabe eines Charity-Blitzturniers, das am 12.-14. Mai acht russische Supergroßmeister (u.a. Kramnik und Grischuk) auf Lichess austragen werden. Und zwar als doppelrundiges Rundenturnier! Mit dieser Information war die Argumentationslinie, wer „Arena“ habe, der brauche kein anderes Turnierformat, mit einem Schlag perdu. Zugleich bestand nun neue Hoffnung, denn es war auch klar, dass es seitens des Lichess-Teams keine prinzipielle Ablehnung anderer Formate gab. Was aber steckte sonst hinter der Zurückhaltung gegenüber dem Schweizer System?

Phase 4: Das Eingeständnis und die richtigen Fragen

Die Antwort kam wenig später, als sich dann doch ein Entwickler („Toadofsky“) zu Wort meldete und (etwas verklausuliert aber eindeutig) erklärte, das Schweigen von „offizieller“ Seite sei kein Zeichen von Ignoranz, sondern bloß von Überlastung. Das Einführen eines neuen, nicht ganz unkomplizierten Elements sei einfach zu riskant, solange die Nutzerzahlen noch täglich rasant nach oben gingen.

Kommunikationsstrategisch kann man natürlich fragen, warum es für eine solche Aufklärung einer langen Diskussion bedarf, wichtig aber ist: Nun erreichte die Debatte ein völlig anderes Niveau und es konnte plötzlich offen über mögliche technische Lösungen zur Einführung des Schweizer Systems diskutiert werden. Zudem gelang es User „TacticalBert“ (einem erfahrenen Spielleiter aus den Niederlanden) sehr geschickt, entscheidende Brücken zwischen den Entwicklern auf der einen und den Klubspielern auf der anderen Seite zu bauen. Der Lohn für all diese Mühen blieb nicht aus.

Phase 5: „Es wird keinen Frieden geben“ – das Schweizer System kommt!

Spät abends am 4. Mai hinterlegte Thibault Dublessis („ornicar“) auf github.com (der Plattform, auf der die Lichess-Entwickler ihre Arbeit koordinieren) als Projekt Nr. 6551 die Aufgabe „Swiss tournaments“ und versah sie mit einer vielsagenden Beschreibung: „They suck, but there will be no peace until they’re done.“

Begeisterung klingt anders, doch der überraschte Jubel der Debattenteilnehmer ist bereits deutlich vernehmbar. Der Startbeitrag von „ssa2973“ steht aktuell übrigens bei fast 10.000 Besuchen und über 140 Likes. Und in Landau hat man gelernt: Auch in der neuen Heimat lohnt sich Engagement!

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