Vereinschronik des Schachklub Landau 1908 e.V.

Der Werdegang des Schachklubs Landau ist in weiten Bereichen ein Spiegel unserer gesellschaftlichen und politischen Entwicklung. Noch in der Zeit des Kaiserreiches wurde am 19. Mai 1908 auf Initiative des Postverwalters Friedrich Hauck der Schachklub gegründet, der sich gleich dem Bayerischen und dem Deutschen Schachbund anschloß. Die noch bekannte Mitgliederliste von 1914 zeigt die damalige gesellschaftliche Einordnung des Schachspiels und liest sich wie ein "who is who" der Stadt Landau. Die Mitglieder stammten fast ausschließlich aus der sog. Oberschicht: Ärzte, Rechtsanwälte, Zigarrenfabrikanten, ein Bankdirektor, ein Magistratsrat, etc. Die Wirren des 1. Weltkrieges wurden anscheinend recht unbeschadet überstanden und der Schachklub gehörte 1921, noch unter dem Vorsitz von Friedrich Hauck, zu den Mitbegründern des Pfälzischen Schachbundes. Gewandelt hat sich jedoch der gesellschaftliche Charakter des Klubs. Er umfaßte nunmehr Angehörige aller Schichten der Bevölkerung: Lehrer, Handwerker, Arbeiter, Angestellte. Zwischen den beiden Weltkriegen war der Schachklub sehr aktiv. 1929 fand der Pfälzische Schachkongreß in Landau statt, Simultanspiele mit Mieses (1929), Bogoljubow (1928, 1929, 1935, 1939), Ahues (1930) und Engels (1936) wurden organisiert und durchgeführt. Einen großen Einschnitt, auch für den Schachklub, markiert die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Dieses Ereignis führte zu Spannungen innerhalb des Schachklubs, da die "braune Irrlehre" auch vor den Türen des Klubs nich Halt machte. Dies ist ein Teil der Geschichte, der sich nicht wiederholen sollte. In dieser Zeit kam es zu Wechseln in der Vorstandschaft und zu dem Verlust der aktiven jüdischen Mitglieder. Durch den Ausbruch des Krieges und dessen Folgen kam der Schachbetrieb fast vollständig zum Erliegen. Auch nach Kriegsende war zuerst keine Besserung abzusehen. Die Leute hatten andere Sorgen und Probleme, mußten um ihr Überleben kämpfen. 1947 wurde der Schachklub als einer der ersten Vereine wieder von den Besatzungsmächten zugelassen und schloß sich sofort wieder dem neu entstandenen Pfälzischen Schachbund an. Es ging in diesen Nachkriegsjahren verständlicherweise nur schleppend voran; der Schachbetrieb kam fast vollständig zum Erliegen. Zum Ende des Jahres 1951 kam der Schachklub unter dem neuen Vorsitzenden - Herrn Dr. Georg Müller - wieder zu neuem Leben. Im Laufe der Zeit fanden eine Reihe schachlicher Großveranstaltungen in Landau statt. 1955 ein Länderkampf Pfalz-Elsaß, 1956 der 25. Pfalzkongreß, 1958 das 3. Deutsche Kandidatenturnier, 1970 der 39. Pfalzkongreß, 1983 die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft für Damen und Herren, 1996 der 65. Pfalzkongreß und 2001 die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft im 4er-Blitz. Zur aktuellen Situation ist zu sagen, daß der Schachklub Landau auch 2001 mit über 100 Mitgliedern und 5 Mannschaften "gut im Rennen" liegt. Hervorzuheben in der Vereinshistorie sind die drei Meistertitel des Rolf Bernhardt (1959 Deutscher Jugendmeister, 1967 und 1968 Deutscher Pokalsieger).